KNOBLOCH – Briefkästen seit 150 Jahren

KNOBLOCH – Briefkästen seit 150 Jahren

KNOBLOCH – Briefkästen seit 150 Jahren

KNOBLOCH wurde bereits 1869 als Blechklempnerei auf dem heute noch bestehenden Firmengelände in Döbeln gegründet und ist bis heute familiengeführt durch die Familie Kolbe. Seit der Gründung wurden viele verschiedene Metallwaren gefertigt – der Briefkasten war von Anfang an mit dabei.

 

Pures Überleben, ohne jede Strategie

1991/92 zeigte sich immer deutlicher, dass mit einem Festhalten am alten DDR-Sortiment auf Dauer keine erfolgreiche Unternehmensentwicklung möglich sein würde. Was aber sollte die kleine Firma produzieren, ohne vorher in neue Werkzeuge zu investieren, da ja für Investitionen keine Mittel zur Verfügung standen? Erika Kolbe und ihr Mann holten die alten Produktkataloge hervor, staunten über die Vielfalt, diskutierten und planten. Und dann schien sich eins zum anderen zu fügen. In Folge der Umstrukturierungen der Postdienstleistungen schaffte man die Sammelzustellpunkte mit ihren großen Briefkastenanlagen ab, wie sie in den meisten Neubaugebieten der DDR üblich gewesen waren. Plötzlich sollte jeder Haushalt seinen ganz eigenen und individuellen Briefkasten haben. Ein Mitarbeiter des Großhandelskontors Haushaltwaren sprach Kolbes an: „Könnt ihr nicht Briefkästen machen? Wir müssen die alle aus dem Westen holen.“, sagte er und lief damit offene Türen ein. Briefkästen gehörten schließlich lange zum Grundsortiment von „Max Knobloch“. Genau aus diesem Grund ließ sich die Familie darauf ein. Marktbeobachtungen und Konkurrenzanalysen oder einen Businessplan war man nicht gewohnt.
 

Mit sympathischer Blauäugigkeit sagten sich die Unternehmer, ‚Wir können das herstellen, also machen wir das auch.‘ „Dann haben sie sich den ersten Briefkasten unter den Arm geklemmt und haben gesagt, ‚Den verkaufen wir jetzt‘. Aus heutiger Sicht verrückt, die gab es zu tausenden von anderen Anbietern. Das hätte kein Mensch gebraucht.“, erzählt Thomas Kolbe. Was danach kam, ist mit „Glück“ nur teilweise zu beschreiben. Es mag an der langsam wieder anspringenden Konjunktur gelegen haben, vielleicht auch an einem gewissen „Ostbonus“, ganz sicher aber am Verkaufstalent von Erika Kolbe. Ihre menschliche Art des Verkaufens machte das Unternehmen schnell dafür bekannt, einen sehr persönlichen Verkauf zu praktizieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Bemerkenswerterweise war dies nie Teil einer Strategie, sondern schlicht dem Interesse am Gegenüber und der Wertschätzung jedes einzelnen Kunden geschuldet. Doch diese Entwicklung brauchte Zeit. Und die wurde knapp. Trotz der anlaufenden Briefkastenfertigung und trotz ständiger Bemühungen, Kooperationen abzuschließen und Fertigungsaufträge zu akquirieren, kam das Unternehmen nicht in ruhige Fahrwasser und musste die Belegschaft weiter reduziert werden. Mit der Auflösung der Treuhandanstalt endete die Hängepartie für die Max Knobloch Nachf. GmbH 1994.

 

100 Prozent für Kolbes

Da die übrigen Alteigentümer an den Firmenanteilen kein Interesse angemeldet hatten, mit ihnen also nicht mehr zu rechnen sein würde, entschloss sich die Eigentümerfamilie sämtliche Anteile von der Treuhandanstalt zu erwerben. Diese diktierte dann auch die Bedingungen unter denen eine 100%ige Übernahme erfolgen durfte. Eine Wahl hatten Kolbes nicht.

Seit Ende 1994 war das Unternehmen im alleinigen Besitz der Familie, die nun endlich die dringend benötigten Kredite bewilligt bekam. Mit einer Belegschaft von gerade einmal 17 Beschäftigten erfolgte der 2. Neustart, und diesmal war es ein echter!

Während es viele der größeren Döbelner Betriebe nicht schafften, in der freien Marktwirtschaft Fuß zu fassen und stattdessen in der Mulde erstmalig wieder Barsche, Hechte und Karpfen gesichtet wurden, weil die Belastungen für die Umwelt sich innerhalb kürzester Zeit signifikant verringert hatten, ging es in der Waldheimer Straße mit kleinen Schritten bergauf.

Im hauseigenen Werkzeugbau tüftelten und probierten die Mechaniker an den Werkzeugen für die Briefkästen, die anfangs alle selbst angefertigt wurden. Zum ursprünglichen einfachen Modell 100 kam eines mit Einwurfklappe hinzu und bald begann das Experimentieren mit unterschiedlichen Formen, wobei es bei aller Freude am Neuen doch immer bei schlichten Modellen blieb.

 

Die „Max Knobloch Nachf. GmbH“ auf den Fachmessen

Bereits vor 1994 präsentierte das Unternehmen eine eigene kleine Briefkastenauswahl auf der wichtigen Eisenwarenmesse in Köln neben ihren Strahlern und Heizkörpern. Wenn auch der Vergleich mit den Wettbewerbern im Rahmen dieser Veranstaltung einigermaßen ernüchterte und die anfängliche Euphorie durchaus dämpfte, so ließen sich Kolbes von den schicken Produkten der Konkurrenz nicht einschüchtern, sondern gewannen genau daraus neue Motivation.

Seit 1991 besuchten sie unentwegt die Fachausstellung, um die zurückgewonnene Außenwirkung zur Kontaktpflege zu nutzen und persönliche Beziehungen zu knüpfen, selbst wenn die Aufwendungen dafür nicht gering waren. Messebesuche galten lange Jahre als ein grundlegender Eckpfeiler der Unternehmenskultur im Hause KNOBLOCH.

 

Anlagenfertigung

Die Briefkastenanlagenfertigung hatte sich seit 1993 aus kleinsten Anfängen kontinuierlich, doch immer in geringem Umfang, weiterentwickelt. 2000/2001 fiel die strategische Entscheidung zugunsten der Anlagen. Waren die Grundformen dafür in den frühen 90ern noch von externen Partnern geliefert worden, in die zugelieferte Kästen hineingesetzt wurden, so galt es nun, die Fertigung auf industrielle Beine zu stellen. Neue Zulieferer wurden in Berlin und später in Italien gefunden. Bereits 1997 erwirtschaftete das Unternehmen einen nennenswerten Teil seines Gesamtumsatzes über Briefkastenanlagen. Mit ihren 25 Beschäftigten fasste die Max Knobloch Nachf. GmbH zunehmend im vereinigten Deutschland Fuß.

Der Vorteil der Briefkastenanlagen-Fertigung für die gewerbliche Wohnungswirtschaft liegt darin, dass es sich zwar um eine Art Baukastensystem handelt, aber keine standardisierten Produkte umfasst, die ausländische Wettbewerber preiswerter auf den Markt werfen könnten. Der Kunde hat die Möglichkeit, sich seine eigene individuelle Anlage mit der gewünschten Ausstattung auszusuchen, ehe sie im Grunde exklusiv angefertigt wird.

 

Die nächste Generation

Bereits kurz nach der Übernahme der Anteile von der Treuhandanstalt, Mitte der 90er Jahre, hatten Erika und Reinhard Kolbe, selbst noch nicht 50-jährig, ihren gerade 22-jährigen Sohn gefragt, ob er sich vorstellen könne, irgendwann ihre Nachfolge anzutreten. Bisher hatte Thomas Kolbe diesen Gedanken, wenn nicht rundheraus verneint, dann doch zumindest weit weggeschoben. Nach einem Studium der Psychologie, Philosophie und Germanistik schloss der vielseitig interessierte junge Mann eine Krankenpflegerausbildung ab, um nach einem Medizinstudium Heilpraktiker werden zu können. Leben und Studieren in Leipzig schien lange Zeit um ein Vielfaches reizvoller, als alles, was die Provinz zu bieten hatte. Selbständiges und unabhängiges Arbeiten war immer sein Ziel gewesen. Das würde auch als Unternehmer möglich sein, erkannte er nach reiflichen Überlegungen. Seit dem Beginn seines Betriebswirtschaftsstudiums 1997 war Thomas Kolbe als Außendienstmitarbeiter im Unternehmen beschäftigt und bis zu seinem Abschluss 2001 intensivierte sich der Einfluss des Juniors auf die Abläufe im Unternehmen kontinuierlich. Im Vordergrund seiner Interessen stand der Vertrieb.

 

Wir sind eine Manufaktur

Dennoch handelt es sich bei KNOBLOCH um kein gewöhnliches Industrieunternehmen. „Bei uns arbeiten industrialisierte Handwerker.“, konstatiert Thomas Kolbe und erklärt: „Die Wertschöpfung findet mit der Hand statt.“ Im positiven, wie im negativen Sinne ist die Max Knobloch Nachf. GmbH deshalb in hohem Maße abhängig von ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die in der großen Halle an ihren Arbeitsplätzen stehen und aus den gestanzten und vorbehandelten Blechteilen die begehrten KNOBLOCH-Kästen bzw. -anlagen fertigen. Fachkräftemangel oder eine Grippewelle wirken sich unmittelbar auf den Fertigungsverlauf aus. Doch Lieferverzögerungen sind für Kunden, wie Produzenten gleichermaßen ärgerlich. Veränderten Kundenbedürfnissen tragen neue Entwicklungen im Bereich der sogenannten Gebäudekommunikation Rechnung. „Der Trend zu nutzeroffenen Übergabeeinheiten führt uns in die Moderne.“, prognostiziert Thomas Kolbe und meint damit Paketbriefkästen und Paketfachanlagen, wie sie für Mehrfamilienhäuser immer häufiger nachgefragt werden. Auch sämtliche Elemente der Gebäudekommunikation von Klingeln und Wechselsprechanlagen über Schaukästen bis hin zu Leuchten sind inzwischen feste Bestandteile des Portfolios der ehrwürdigen „Briefkastenfirma“.

Briefkastenanlagen machen das Hauptgeschäft aus Konsequent nutzt auch der Vertrieb Mittel und Wege der Digitalisierung, um nah an den Wünschen der Kunden zu bleiben. Eine moderne Homepage, die fortlaufend mit aktuellen Informationen bestückt wird sowie die Entwicklung eigener Konfigurationsprogramme für individuelle Kästen und Anlagen bieten Interessenten und Partnern gleichermaßen einen niedrigschwelligen Zugang zu Unternehmen und Produkten.

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